25. Weitere Pläne

Es waren mehrere Stunden vergangen, als Arthur langsam wach wurde. Er wusste zuerst nicht wirklich was geschehen war, und wo er sich aufhielt, er war völlig desorientiert.
Doch dann begann seine Erinnerung zurück zu kehren. Sie waren nach dem Kampf zwischen Merlin und Morgana, den Merlin verloren hatte - Arthur musste schlucken, als er daran dachte - von Nirar entlassen worden, und hatten nun hier eine kleine Rast eingelegt, um dann mit Leeanas Leichnam - wieder schauderte es ihn, als er sich erinnerte, dass sie ihr Leben für Merlin und auch für ihn und Camelot gegeben hatte - eben genau dorthin zurück zu kehren, um sie zu bestatten.

Dann begann Arthur zu überlegen. Wie lange hatte er geschlafen? Eigentlich war ja angedacht gewesen, dass Merlin für kurze Zeit die erste Wache halten und ihn dann wecken sollte! Doch er hatte es irgendwie im Gespür, dass er länger als angedacht geschlafen hatte und er war schon leicht wütend. Das war ja wieder klar gewesen, dass Merlin sich seiner Anweisung widersetzte und länger Wache hielt als er sollte. Doch andererseits konnte er es ja verstehen, es ging immerhin um Leeana. Vermutlich wollte er einfach nur so lange wie möglich bei ihr sein und von ihr Abschied nehmen; und da anscheinend keine Gefahr im Verzug war, nahm Arthur sich vor, es ihm noch einmal nachzusehen. Doch nun war Schluss, Merlin hatte lang genug gewacht, nun war er dran, außerden würden sie, nach noch einer weiteren Zeit der Ruhe, schließlich auch wieder aufbrechen.

Ja, so dachte Arthur, doch dann sah er sich langsam um: Seine Ritter, Sir Lancelot, Sir Leon und Sir Gwain schliefen jeweils an einen Baum gelehnt, mit ihren Händen an ihren Schwertern. Elle und Jade lagen nebeneinander gebettet, ebenfalls an einem Baum, zusammen auf dem "Bett", das sie sich alle aus Holz und anderen Utensilien gefertigt hatten. Elle hielt ihren Schützling fest und hatte ihren Körper an sich gedrückt. Es wirkte so, als als hätte sie Angst, sie ebenfalls an den Feind verlieren zu können. Was nicht völlig ausgeschlossen war.
Arthur schluckte. Er riss sich zusammen, und musste sich von dem Bild losreißen - es erinnerte ihn stark an Merlin, als er neben Leeanas Leichnam gekniet hatte - Apropus Merlin...
Langsam sah sich Arthur auch weiterhin um, er hatte seine Ritter gesehen, Elle und Jade - doch wo war Merlin? Und, was ihm jetzt erst auffiel, wo war der Wagen mit Leeana??

Arthur wurde heiß und kalt gleichzeitig. Er begriff in genau dieser Sekunde, dass weder Merlin, noch der Wagen dort waren, wo sie sein sollten. Und er begriff noch etwas: Merlin war fort! Und er hatte Leeanas Leichnam mitgenommen, was nur eines bedeuten konnte: Er hatte sich mit ihr auf die Reise begeben; auf die Reise in die Welt, von der ihnen dieser Seelenverwahrer berichtet hatte.
Vermutlich um sie dort - ja, was? Zum Leben zu erwecken? Arthur konnte es nicht fassen. Das konnte nicht wahr sein!
Und dann wurde ihm ebenfalls bewusst, dass der Schlaf, in den sie wohl alle gefallen waren, keines natürlichen Ursprungs war... Hatte Merlin es etwa gewagt, einen Zauber gegen ihn, seine Ritter, und auch gegen Elle und Jade, anzuwenden, um sie "auszuschalten"? Er konnte es nicht glauben.

Arthur wusste zuerst nicht, was er sagen sollte. In ihm brodelte es. Es war ihm bewusst, dass es real sein musste, einen anderen Grund, weshalb Merlin mit Leeanas Leichnam verschwunden war, konnte es nicht geben. Und doch war es so unvorstellbar, dass er es kaum fassen konnte. Zuerst war er leicht wütend gewesen, als er dachte, dass Merlin ihn einfach nur nicht geweckt hatte, aber das hätte er noch verwinden können - aber DAS hier war etwas gänzlich anderes! Merlin hatte sich seinem Befehl widersetzt! Er hatte Magie GEGEN ihn und die anderen angewandt, damit sie einschliefen und er sich aus dem Staub machen konnte - und wer wusste, wohin er, zudem noch alleine und ohne Schutz, nun gegangen war? Was ging in dem verquasten Schädel seines Beraters und Freundes nur vor? Und dann hatte er sie auch noch völlig schutzlos hier alleine gelassen??

Ja, Arthur tobte. Und langsam nahm seine Gesichtsfarbe einen unnatürlich roten Teint an... Er brüllte, und schließlich entlud sich seine Wut über Merlin darin, dass er einmal gegen seinen "Bett"-Haufen aus Erde trat und es war ihm egal, wer auf seinen Wutausbruch aufmerksam wurde.
Feinde gab es keine in der Nähe, jedenfalls noch nicht, aber von dem Tobsuchtsanfall ihres Herrn wurden schließlich die Ritter und auch Elle und Jade wach. Auch sie wussten in den ersten Sekunden nicht mehr, was eigentlich geschehen war, und wo sie waren, doch dann erinnerten sie sich wieder - und erschraken, als sie Arthur in Rage erblickten.

Die Ritter zogen sofort ihre Schwerter und blickten sich um, doch sie konnten keinen Feind erkennen. Auch Elle zog Jade sofort an sich heran und schärfte ihre Sinne, in der Absicht, wenn es nötig wurde, ihre Kräfte einzusetzen, doch das einzige, was sie bemerkte, war, dass um sie herum ein Kraftfeld zu sein schien, das vorher eindeutig nicht dort gewesen war.
Doch woher kam es? Wer hatte es errichtet? Sie blickte sich nach Merlin um, um ihn zu fragen, ob er etwas wusste, doch sie konnte ihn nirgends entdecken. Auch Jade hatte sich schon suchend umgesehen, und sah dann Elle an. "Wo ist Merlin?" fragte sie schließlich, und diese blickte zurück: "Ich weiß es nicht", und ihre Stimme zitterte. Langsam begriffen auch sie, dass hier etwas nicht stimmte, zumal der König keinen sehr guten Eindruck machte. Und dann bemerkten sie schließlich auch, dass der Wagen mit Leeanas Leichnam fort war - und Elle wurde blass. Sie begriff als nächstes, was das bedeutete.

Die Ritter hatten es noch nicht begriffen. Sie liefen auf ihren König zu und Sir Lancelot war der erste, der versuchte, ihn zu beruhigen. "Sire, Mylord, was habt Ihr? Wurden wir angegriffen? Seid Ihr verletzt? Ich sehe keinen Feind..." Echte Sorge sprach aus seinen Worten und und auch die anderen sahen sich sowohl in der Gegend um, als auch zu ihrem König, der langsam wieder ruhiger wurde. Nun ja, "ruhig" war nicht ganz richtig, innerlich bebte er immer noch. Dennoch hatte er sich wieder so weit im Griff, dass er seine Tobsuchtsanfälle einstellte.
Er sah Sir Lancelot, Sir Leon und auch Sir Gwain an und sagte langsam und bedächtig, und so ruhig es ihm möglich war: "Merlin ist fort! Er hat uns alle "schlafen gelegt" und ist dann mit Leeanas Leichnam geflohen. Ich fürchte, er ist in diese Gegend, die ihm der Seelenverwahrer genannt hat, um dort ihre Seele zurück zu holen.. Dieser Wahnsinnige!" Und dann fügte er, noch etwas lauter und mit zusammen gepressten Zähnen, hinzu: "Und er hat uns hier schutzlos dem Feind ausgeliefert!"

Die Ritter hatten fassungslos zugehört. Sie konnten Arthurs Worten zuerst keinen Glauben schenken. Das konnte nicht wahr sein! So etwas würde Merlin doch niemals tun! Dennoch fiel ihnen nun auch auf, dass Merlin tatsächlich nicht da war, und auch der Wagen mit Leeanas Leichnam nicht. Also war es anscheinend wirklich so; dennoch konnte keiner der Männer sich vorstellen, dass Merlin sie schutzlos dem Feind überlassen hatte, nur, um einer wahnsinnigen Idee nachzugehen, von der er nicht einmal wissen konnte, was ihn erwarten würde, geschweige denn, ob es tatsächlich funktionierte...

Dann ließ sich Elle vernehmen, die das Gespräch zwischen Arthur und den Rittern gehört hatte. Auch sie hatte sich Gedanken gemacht, und sie machte sich große Sorgen. Ihr war klar, was Merlin versuchte. Seine Verzweiflung war so groß, dass er nach jedem Strohhalm greifen musste - und sie ertappte sich dabei, einmal kurz zu Jade herüber zu schauen. Wenn sie es gewesen wäre, die noch dazu ihr Leben für ihres gegeben hätte? Würde sie nicht dasselbe für sie tun, wenn es eine Hoffnung gäbe? Doch das war jetzt nicht die Frage. Elle spürte, dass Arthur sein Vertrauen in seinen ehemaligen Diener, der nun sein engster Berater und Freund geworden war, verlor; und dass er wütend auf ihn war, konnte sie sogar nachvollziehen. Doch er durfte auf keinen Fall denken, dass Merlin sie hier schutzlos dem Feind ausliefern wollte, denn sie konnte immer noch das Schutzschild spüren, das dieser um sie herum aufgebaut hatte. Es wurde langsam schwächer, vermutlich, weil sie jetzt wach waren, dennoch war eines da gewesen, während sie schliefen.
Also hatte er sie nicht vollständig schutzlos schlafen lassen.

Und so räusperte sie sich schließlich und sagte: "Verzeiht mir Sire, wenn ich mich einmische, aber Merlin hat uns nicht schutzlos hier zurück gelassen. Als ich aufgewacht bin, konnte ich ein Schutzschild spüren, das uns umgab, während wir schliefen. Es kann nur von Merlin errichtet worden sein, bevor er gegangen ist." Sie blickte sich einmal um, in der Hoffnung, irgendwelche Spuren zu finden, aber dies war nicht der Fall. Sie seufzte und fuhr fort: "Er hat sämtliche Spuren verwischt, die er und der Wagen hinterlassen haben... Ich kann ihn auch nicht spüren. Vermutlich haben wir zu lange geschlafen, um seinen Weg noch nachvollziehen zu können..." Sie senkte das Haupt.

Arthur sah sie an und auch die Ritter blickten zu ihr und sahen sich dann ebenfalls in der Gegend um. Also war es tatsächlich so: Merlin hatte seine Magie gegen sie eingesetzt um - ja, um was? Eine Leiche wieder zu erwecken? Sir Leon konnte sich an den Augenblick erinnern, als er bereits einmal gesehen hatte, wie Merlin Leeana "wieder erweckt" hatte, aber damals hatte dieser Hilfe von einem magischen Stein, der wohl Leeanas Seele noch einige Zeit festgehalten hatte.
Doch er ahnte, dass es dieses Mal anders war. Den Stein gab es nicht mehr und Leeana war tot! Wirklich tot! Dieses Mal waren Kräfte am Werk, die nicht einzuschätzen waren, und wer wusste, welche Gefahren auf Merlin zukommen würden, und was er dafür geben musste, um Leeanas Seele zurück zu bekommen? Würde er eventuell seines erneut hergeben? Ihnen allen war bewusst, dass er es ohne zu zögern tun würde. Er würde sich erneut opfern, sein Leben geben, das in seinen Augen ohnehin verloren war.

Arthur setzte sich auf den Boden. Er war fertig. Seine Wut war fort, nur noch ein kleiner Rest war geblieben. Ein kleiner Rest Wut und ja, was noch? Enttäuschung? Vielleicht war das das richtige Wort. Er war zutiefst enttäuscht von seinem engsten Berater und Freund, dessen magischen Fähigkeiten er nun seit Jahren - genau genommen seit der Rettung Camelots vor Lucerna und ihren Kreaturen vor fünf Jahren - akzeptierte und schätzte.
Er hatte niemals gedacht, dass Merlin ihn so hintergehen könnte: Zuerst hatte er sich seinem direkten Befehl widersetzt! Er hatte ihm gesagt, keine Alleingänge! Arthur spürte erneut Wut, allerdings dieses Mal gegen sich selbst. Wenn er doch Merlins Drängen nicht nachgegeben hätte, und darauf geachtet hätte, dass Merlin sich hinlegte. Doch ihm war bewusst, dass dieser es niemals getan hätte. Er hätte andere Wege gefunden, seinen Zauber gegen sie anzuwenden. Und das war das nächste, was Arthur unglaublich in Rage brachte: Merlin hatte einen Zauber gegen IHN angewendet. Gegen seinen König und die Ritter! Das hatte er noch nie getan. Es beruhigte ihn zwar ein wenig, dass er von Elle erfahren hatte, dass Merlin zumindest an einen Schutzzauber gedacht hatte, was bedeutete, dass sie ihm nicht vollständig egal gewesen waren, dennoch überwog die Wut in ihm.
Wenn sie ihn jemals finden sollten, dann würde er ihm schon die Leviten lesen! Oh ja - für Arthur war es kein Thema, was sie als nächstes tun würden. Sie mussten nun Merlins Spuren nachgehen, auch, wenn es schwierig sein würde, diese zu finden. Der Magier hatte gute Arbeit geleistet, und wirklich alle möglichen Spuren, seien es Fuß- oder Wagenspuren, vor ihnen verborgen. Nichts war zu sehen, Und sie wussten nicht, wo sie anfangen sollten, zu suchen. Dennoch, irgend etwas mussten sie tun, sie konnten Merlin nicht seinem Schicksal überlassen, keiner von ihnen wusste, was ihn dort, wo immer dieses "dort" auch sein mochte, erwarten würde. Aber Arthur würde Merlin diesen Frevel nicht ungestraft durchgehen lassen! Dieses Mal war er eindeutig zu weit gegangen! Und nicht nur dessen eigenes Leben stand auf dem Spiel, sondern auch seines und damit Camelots Schicksal!

Und so stand er nach einigen Minuten wieder auf und sagte, an die anderen gewandt: "Wir werden Merlin suchen! Ich habe keine Ahnung, wo wir anfangen sollen, aber wir müssen irgendwo beginnen. Elle- du hast eben das Schild, das Merlin über uns aufgebaut hat, um uns zu schützen, gespürt. Spürst du auch irgendwas anderes von ihm? Seine Zauber, die er angewandt hat, um seinen Weg zu verbergen?" Hoffnung schwang in seiner Stimme mit, doch Elle musste sie zerstören. Auch sie hatte schon so gedacht und sich in der Gegend umgesehen, doch sie spürte nichts. Merlin hatte alles zu gut verborgen. Arthur war verstimmt, aber nicht entmutigt, immerhin war er der König! Und so sagte er schließlich: "Na los, lasst uns gehen! Egal wohin, wir finden schon etwas, womit wir ihn aufspüren, wir müssen einfach!" sagte er schließlich und obwohl sich die Ritter als auch Elle und Jade unsicher ansahen, folgten sie ihm schließlich. So ganz wohl fühlte sich keiner von ihnen, nun in völlig fremdes Gebiet zu gehen und das Schutzschild gab es auch nicht mehr..

Doch sie kamen nicht weit. Wenige Schritte, nachdem sie aufgebrochen waren, und ohnehin nicht wussten, wohin sie eigentlich liefen, sahen sie von weitem eine riesige Gestalt auf sie zukommen, die ihnen bekannt vorkam. Elle spürte sie, noch bevor die anderen sie erkannten: Es war die Sphinx, die sie bis an Nirars Grenze gebracht, und dann wieder zurück gekehrt war.
Was tat sie hier? Wusste sie etwas über Merlin? Wo er war und was er vorhatte; beziehungsweise, konnte sie sie vielleicht sogar zu ihm bringen? Arthur stellte sich vor seine Ritter und wartete ungeduldig, bis die Sphinx bei ihnen war. Diese blieb kurz vor ihnen stehen und blickte sie an. Dann, bevor noch jemand etwas sagen konnte, dröhnte ihre Stimme zu ihnen herab: "Geht nicht weiter! Es hat keinen Sinn, ihm zu folgen! Merlin geht seinen eigenen Weg, niemand kann ihn mehr einholen oder aufhalten. Das, was geschieht, geschieht!.."

Dieses Mal kam er nicht weiter, denn Arthur fiel ihm ins Wort: Er war extrem aufgebracht und beim letzten Mal hatte er noch Merlin als "Vermittler" gehabt, dieses Mal fehlte er. So platzte es aus ihm heraus: "Du hast gewusst, dass das hier geschieht? Sag mir, hast du es vorher gesehen, als du uns vor Nirars Gefängnis abgesetzt, und einfach verschwunden bist? Bist du deswegen nicht mehr zurück gekehrt und hast uns im Stich gelassen?.." Er hätte noch weiter geredet, es lag ihm noch so einiges auf der Zunge, doch Elle stoppte ihn, in dem sie vor ihn trat und die Sphinx ansah. Deren Gesichtszüge waren mal wieder nicht zu entschlüsseln: Keiner konnte erkennen, ob sie wütend über Arthurs Ausraster war, oder ob es ihm überhaupt etwas ausmachte..

Dennoch versuchte Elle, das Schlimmste zu verhindern. Sie wusste, dass der König, trotz Merlins Vermittlungsarbeit, dennoch ein hitzköpfiger "Junge" geblieben war, der auch über das Ziel hinaus schießen konnte. Dieses Mal war es eindeutig mal wieder soweit..
"Verzeih, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass du es gewusst, und uns im Stich gelassen hast. Bitte sag, dass es nicht so gewesen ist! Hast du eine Ahnung, wo Merlin jetzt ist, und ob er es schaffen wird, das zu erfüllen, was er sich vorgenommen hat? Bitte sag uns, was du weißt!"

Arthurs Stirn lag extrem in Falten und er musste an sich halten, um Elle nicht ins Wort zu fallen dennoch hielt er sich zurück. Er wollte selbst die Antwort der Sphinx hören, was an dem, was er ihr vorwarf, nun real war.
Die Sphinx blickte von Elle zu Arthur, dann zu den Rittern und dann wieder zurück zu Elle. Sie baute sich in ihrer vollen Größe auf und sagte: "Ich bin nicht Euer Schutzmeister! Es steht Euch nicht zu, mein Wissen zu teilen! Dass ich nun hier bin, ist das einzige, was zählt! Der einzige Grund, weshalb ich nun hier bin, ist der, dass ich Euch von einer Dummheit abhalten muss, die Ihr nun im Begriff seid, zu tun. Ihr dürft Merlin nicht folgen; den Weg, den er nun bestreitet, ist sein eigener. Nur er ist in der Lage, ihn zu gehen - ob es nun zum Erfolg führt, oder nicht..."
Bevor jemand ihn fragen konnte, fuhr er fort: "Ich werde Euch nicht sagen, ob ich dies "sehen" kann - auch das gehört zu meinen Geheimnissen. Vielleicht, vielleicht auch nicht... Aber das ist nebensächlich! Wichtig für Euch ist, was Ihr als nächstes tun sollt: Geht zurück nach Camelot! Holt Eure Pferde, ich werde Euch zu ihnen bringen - es geht ihnen gut - dann reitet so schnell ihr könnt in Euer Land zurück und bereitet Euch auf das vor, was auf Euch zukommen wird. Ich kann nicht zuviel sagen, aber Ihr werdet Hilfe von überall brauchen, wenn die geballte Macht der Schwärze über Euch kommen wird. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird es soweit sein!"

Arthur wurde kalt: "Geballte Macht der Schwärze"? "Morgana", flüsterte er entsetzt, als er es begriff. Er erinnerte sich an die Vision, die Merlin einmal gehabt hatte; er hatte Morgana "gesehen", als Herrscherin über die Elemente, wie sie Camelot in Schutt und Asche gelegt hatte...
Die Sphinx nickte, und blickte Elle an: "Ihr werdet Hilfe benötigen", wiederholte sie. Arthur blökte dazwischen. Seine Stimme war tief und grimmig: "Hilfe? Die würde ich gerne bekommen - von meinem ehemaligen Hofzauberer! Aber der hat sich aus dem Staub gemacht, der einzige, der uns in dieser Situation helfen könnte, hat uns im Stich gelassen!"

Die Ritter, Elle und Jade sahen ihn erschrocken an - dachte er wirklich so? Merlin war bisher der treueste Freund des Königs gewesen, das konnte er doch nicht einfach so vergessen!
Und die Sphinx kommentierte das eben gehörte sofort: "Merlin ist nicht der einzige Magier in Eurem Land und Umgebung, das wisst Ihr! Es gibt sehr viele, seid Ihr die Magie habt wieder einziehen lassen, und sehr viele davon haben große Kräfte. Sucht sie! Sucht diese Magier, von denen Ihr wisst, und bittet um ihre Hilfe. Auch Ihr" - er blickte zu Elle und Jade - "habt die Magie in Euch. Und was Merlin angeht", sein Blick glitt erneut zu Arthur: "glaubt mir, wenn ich Euch sage, dass ALLES, was in dieser neuen Welt geschieht, einen Sinn ergibt, auch, wenn Ihr es noch nicht begreifen könnt. Doch nicht alles muss von Euch verstanden werden, nur, weil Ihr der König seid!" Es lag ein wenig Ironie bis Sarkasmus in seiner Stimme...

Arthur blickte die Sphinx wütend an. Es lag ihm etwas auf der Zunge, doch wieder war es Elle, die ihn unterbrach: "Warte, du meinst also, wir sollten uns zusammen tun, mit anderen Magiern? Aber eines von Morganas Kräften ist es doch, andere Magie zu stehlen! Auch ich habe davon mehr als genug erfahren..." Sie fröstelte, als sie daran zurück dachte, was diese Hexe ihr bereits angetan hatte.
Die Sphinx blickte nun sie an und nickte schließlich. "Das weiß ich - und ich sagte nicht, dass es leicht wird. Ich bin nicht dafür da, Euch alles zu verraten, oder Euch zu sagen, was Ihr tun sollt. Ihr müsst selbst sehen, was zu tun ist! Doch es gibt eine Lösung, und ihr könnt es nur zusammen! Und noch einmal: Merlins Weg ist die einzige Möglichkeit, den Kampf zu gewinnen. Mehr werde ich dazu nicht sagen! Möchtet Ihr nun zurück nach Camelot, oder nicht?"

Die Frage war unnötig und so nickte Arthur schließlich verdrossen, aber ergeben; und er und sein Gefolge ließen sich auf der Sphinx nieder, die sie alle innerhalb kürzester Zeit zurück brachte. Dorthin, von wo sie aufgebrochen waren, als sie, noch mit Lassar im Gepäck und mit Merlin und Leeana, zu Nirar gebracht worden waren.
Die Pferde standen noch in der Hütte. Sie hatten alles Proviant aufgefressen und freuten sich, als sie ihre Herren wieder sahen. Diese gaben ihnen erst einmal etwas zu fressen, damit sie gestärkt waren, denn den restlichen Weg mussten sie nun reiten. Ohne weitere Worte stieg Arthur auf sein Pferd, danach Sir Lancelot, Sir Leon und Sir Gwain. Elle und Jade ritten nun zusammen auf dem Pferd, das zuvor Merlin und Leeana auf seinem Rücken getragen hatte. Und so ritten sie, so schnell sie die Pferde trugen, zurück nach Camelot. Mit dem wagen Gefühl, das etwas grauenhaftes und furchtbares auf sie zukam. Und keiner von ihnen hatte eine Ahnung, wie es Merlin ergangen war, wie weit er bereits gekommen war, und ob er das, was er vorhatte, schaffen würde.
Alles, was sie nun - dank der Sphinx - wussten war, dass es irgend einen Sinn hatte, doch welchen, das erschloss sich ihnen nicht. Und diese hatte ihnen nichts weiter erzählt. Es stimmte, was die Märchen und Mythen einem sagten: Eine Sphinx nahm ihre Geheimnisse mit ins Grab...

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Christal, 31
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